ANKATHIE KOI

Kunst kommt von Können, sagen jene konservativen Spießer, die auch im Rock’n’Roll immer wieder anzutreffen sind. Blödsinn, hält die Popmusik spätestens seit Punk dagegen: Was zählt, sind Idee und Intuition –und kreative Wege der Umsetzung. Ankathie Koi verkörpert die Synthese dieser gegensätzlichen Lehren. Die in Oberbayern aufgewachsene und längst in Wien heimisch gewordene Musikerin hat Jazzgesang studiert und beherrscht das künstlerische Handwerk. Nur: Ankathie Koi ist keine, der das Handwerk zum Selbstzweck gerät. Sie singt keine Jazzballaden, sondern produziert Dancepop voll unverhohlener Eightiesreferenzen. Quietschbunt und überdreht, gleichzeitig aber stets ohrwurmig und auf verquere Weise elegant.

Kate Bush und Cyndi Lauper besuchen einen von Peaches geleiteten Aerobic-Kurs, wo Stevie Nicks von Fleetwood Mac Madonna gerade in der Garderobe erklärt, dass sie sich doch bitte einmal locker machen soll, während drinnen schon ausgelassen zu David Bowie getanzt wird. Ungefähr so klingt Ankathie Koi auf ihrem im Frühjahr 2017 veröffentlichten Debüt „I Hate The Way You Chew“, produziert von der Wiener Techno-Ikone Patrick Pulsinger. Die Texte sind mal reflektiert, mal abgedreht, aber immer pointiert.

Die liebste Rolle der Vokuhila-Trägerin mit dem Faible für extravagante Outfits ist jene der Gender-Trouble-Makerin, wo sie mit keckem Grinsen den Macho aus ihrem Innersten kramt und auf die Bühne stellt. Natürlich ist das offen feministisch, nur halt ohne Dogmen und Regeln. Bis auf eine, sie lautet: Ned deppat sein!